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Städtebau als politische Kultur

Der Architekt und Theoretiker Hans Bernoulli

Sylvia Claus und Lukas Zurfluh
Daten
 
Autor:    Sylvia Claus und Lukas Zurfluh
Verlag:    gta Verlag, ETH Zürich
ISBN-10:   978-3-85676-353-4
Erscheinungdatum:   Dezember 2018
Vor drei Jahren, am 28. Februar 2016, ist in Basel die Neue Bodeninitiative angenommen worden, eine Initiative, die die gesetzliche Verankerung des Gebots zum Ziel hat, kantonalen Grund und Boden nicht ohne wirtschaftliche Not zu veräussern.
Damit ist ein wichtiger Schritt getan. Der Architekt, Städtebauer und Theoretiker Hans Bernoulli (1876–1959) wäre freilich noch weiter gegangen. Sein Bestreben galt dem sukzessiven Rückkauf des Bodens durch die öffentliche Hand. Spekulationsgewinne, Mietwucher und der Verlust von Öffentlichkeit sollten auf diese Weise verhindert werden. Bernoulli verstand sich als Homo politicus, als Architekt mit gesamtgesellschaftlicher Verantwortung. Für seine Ideen setzte er sich ein: als Protagonist der Freiwirtschaftsbewegung in der Schweiz, als Grosser Rat in Basel und als Nationalrat in Bern. Das hat ihn 1938 im Zuge der geistigen Landesverteidigung zwar die Titularprofessur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich gekostet, sichert seinem Schaffen aber zu Recht bis heute anerkennende Aufmerksamkeit.

Ausgebildet an den renommierten Hochschulen in München, Karlsruhe und Darmstadt eröffnete der aus Basel stammende Bernoulli 1903 in der prosperierenden Reichshauptstadt Berlin sein erstes eigenes Büro. Er realisierte zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser sowie Wohlfahrtsbauten, schuf Grabmäler im Sinne der Friedhofsreformbewegung, feierte erste Wettbewerbserfolge, unterrichtete am berühmten Seminar für Städtebau an der Technischen Hochschule Charlottenburg und der Schule des Berliner Kunstgewerbemuseums. Im 100 Kilometer östlich Berlins gelegenen Frankfurt an der Oder geht der Generalbebauungsplan der Stadt auf Bernoulli zurück. Prägend war für ihn die Tätigkeit als Chefarchitekt der Deutschen Gartenstadtgesellschaft. Mit genossenschaftlichem Wohnungsbau hat er sich hier erstmals auseinandergesetzt.
Zurück in Basel prägte Bernoulli die Baukultur dieser Stadt massgeblich. Zeitlebens brachte er seine Ideen zur baulichen Weiterentwicklung der Altstadt von Basel in die Diskussion ein. Neben einzelnen Projekten und zahlreichen realisierten Bauten im Bereich der Innenstadt, darunter das vom Rhein aus gut sichtbare, identitätsstiftende Wohn- und Geschäftshaus Schifflände 1–3, sind es aber vor allem die grossen Siedlungen in den Stadterweiterungsgebieten auf beiden Seiten des Rheins, die die Bedeutung seines Werks ausmachen. Mit ihnen avancierte Bernoulli zu einem der wichtigsten Reformer des genossenschaftlichen Wohnungsbaus in der Schweiz. Bernoulli war ein brillanter Architekt und Stadtplaner. Architektur und Gesellschaft, das Detail und das Ganze gehörten für ihn stets zusammen. Das offenbaren an seinen Bauten feine Detaillierung, sensible Materialwahl, kluge Grundrissdispositionen und überzeugende städtebauliche Lösungen.

Als Dozent und Titularprofessor an der ETH Zürich führte er 1912 Städtebau als eigenständiges Fach in der Schweizer Architekturausbildung ein. Generationen Schweizer Architekten haben seine Lehrveranstaltungen besucht. Als Vorsitzender des Bundes Schweizer Architekten (1919–1922), als Redakteur der Zeitschrift Werk (1927–1929) und selbst als Redakteur von Das Archiv. Schriftenreihe für eine natürliche Wirtschaftsordnung (1944–1952) war er ein Protagonist des Architekturdiskurses in der Schweiz.
Städtebau als politische Kultur ist der Titel des Buchs über Hans Bernoulli. Denn auch der Einzelbau ist stets Teil eines übergeordneten landschaftlichen, städtebaulichen und gesellschaftlichen Zusammenhangs. Die Verantwortung dafür zu übernehmen, heisst politisch handeln. Das ist heute nötiger denn je.


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