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Totenkapelle

Seiler Linhart Architekten
Projektdaten
 
Architekt:    Seiler Linhart Architekten
Fotos:    Douglas Mandry
Lage:   Güterstrasse, Buochs (CH)
Bauherr:    Katholische Kirchgemeinde, Buochs, NW
Die Pfarrkirche St. Martin (1802-1807) bildet zusammen mit dem angrenzenden Friedhof und der neuen Totenkapelle eine bauliche und funktionale Einheit, welche sich von Weitem gut sichtbar auf einer Moränenterrasse über dem Dorf Buochs befindet. Die neue Totenkapelle ersetzt einen im Jahr 1959 erstellten Vorgängerbau, welcher die zukünftigen Raumbedürfnisse der Katholischen Kirchgemeinde nicht mehr erfüllen konnte. Der Neubau wurde präzis in die bestehende Situation eingefügt und an den äusseren westlichen Rand der Terrasse positioniert. Die Totenkapelle ist somit vom Dorf her gut sichtbar und wird als Teil der gesamten kirchlichen Anlage gelesen.
Die neue Totenkapelle dient als ein Raum des transitorischen Zustandes zwischen dem Tod als Ende des Lebens und der Beisetzung auf dem Friedhof. Dieser Grundsatz ist Gestalt bestimmend für den gesamten Entwurf. Der Neubau ist zur Achse der Kirche leicht abgedreht und spannt mit ihr zusammen den neuen Kirchplatz auf. Durch die Abdrehung des Volumens nimmt der Neubau zum einen Bezug zum Eingang der Kirche und zum anderen auch zum Friedhof.

Der neue Kirchplatz ist analog zum bestehenden Platz mit Pflastersteinen gestaltet und wird als Teil der gesamten Aussenraumgestaltung der bestehenden Kirchenanlage verstanden. Bewusst wird hier auf eine Übergestaltung des Platzes mit Vegetation, Installationen, etc. verzichtet, um den Ort eine ruhige, seiner Nutzung angemessene Stimmung zu verleihen. Die Solidität der Platzgestaltung findet sich auch in der äusseren Erscheinung des Neubaus wieder. Die plastisch monolithische Fassade aus weiss gerillten Putzflächen lässt einerseits eine äussere Verwandtschaft mit den profanen Bauten der näheren Umgebung entstehen und verweist anderseits durch seine Abgeschlossenheit und Expressivität auf ein sakrales Gebäude. Die präzise dem Kircheneingang vis-a-vis liegende, dreieckige Giebelfront markiert zusammen mit dem darunterliegenden Einschnitt ins Volumen den Eingang in die Totenkapelle. Die in einem warmen, gebrochenen Weisston lasierte Vorzone ist dabei nicht nur eine Eingangsgeste, sondern ermöglicht gleichzeitig einen gedeckten Bereich für die Abschiednehmenden und Wartenden. Über dem Grundriss faltet sich ein dem polygonalen Volumen angepasstes Ziegeldach, das vertraut und schützend zugleich wirkt, auf.

Der Grundriss der Totenkapelle basiert auf dem Sechseck, welches in verschiedenen Massstäben und Detaillierungen im Neubau aufgegriffen wird. In der Architektur des Christentums liegt bei der Verwendung des Hexagons die Symbolik der Zahl sechs zugrunde, deren Bedeutung sich aus der Summe der ersten drei Zahlen (1+2+3) und deren Zahlensymbolik ergibt. Sie und damit das Hexagon symbolisieren im Christentum die Allmacht Gottes.
Man betritt das Gebäude durch eine schwere, doppelflügelige Messingtür mit ledernen Handgriffen. Nach dem man die Halle betreten hat, öffnet sich der helle, von warmen Licht erstrahlte Raum gen Himmel. Zusammen mit dem hellen polygonalen Steinboden erscheint das Zentrum der Kapelle nahezu entmaterialisiert. Die umfassenden Wände hingegen sind in einem intensiven Ultramarinblau mehrfach pastös geschlämmt. Zusammen mit den als Nischen ausgebildeten Raumzonen für die Katafalke und den Urnenständer, dessen Decke in einem tiefdunklen Schwarzblau gestrichen ist, entsteht eine spannungsvolle Tiefe im Raum. Dabei symbolisiert das tiefe Blau basierend auf der christlichen Ikonographie den Wunsch nach der Verbindung mit dem Himmel. Neben den Hauptnutzräumen befinden sich die dienenden Räume, wie der Vorbereitungsraum und der Sanitärraum dezent im Mantelbereich der Kapelle.

Das Gebäude und seine Nutzung verlangen nach einer spezifischen, der Nutzung angemessenen Lichtstimmung. Vom öffentlichen Platz gelangt man zunächst in eine schattige Vorzone in der ein erstes sich Sammeln stattfinden kann. Danach betritt man den mit Licht gefüllten Besammlungsraum, der aus drei, natürlichen Lichtquellen illuminiert wird. Das zuvor beschriebene himmlische, zenital herabscheinende Licht und je ein seitliches von Norden und Süden über ein vertikales Fenster in den Raum dringendes Licht, prägen die Raumstimmung und geben ihm eine feierliche, andächtige Atmosphäre.

Die Aussen weiss gestrichene und mit einem vertikalen Rillenputz versehene Betonfassade, ermöglicht die gewünschte monolithische Erscheinung des Gebäudes. Das Dach besteht aus einer Holzkonstruktion, das mit einem hinterlüfteten Ziegeldach aus Biberschwanzziegeln analog zur Kirche eingedeckt ist. Der Dachrand wurde mit einem Kupferkranz, welcher auch die Entwässerung in sich aufnimmt, ausgebildet. Die inneren Wände sind ebenfalls massiv konstruiert. Die Dachverkleidung wird aus hell gestrichenen 3-Schichtplatten und der Boden aus Natursteinmosaik gefertigt. Das gesamte Untergeschoss wird der Nutzung folgend in unbehandelten Betonoberflächen belassen.


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