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Forstwerkhof

Seiler Linhart Architekten
Projektdaten
 
Architekt:    Seiler Linhart Architekten
Fotos:    Rasmus Norlander
Lage:   Chilcherlistrasse 13, Alpnach (CH)
Bauherr:    Korporation Alpnach
Der Baubereich für den Neubau des Forstwerkhofes der Korporation Alpnach befindet sich im Gebiet Chilcherli, am nordöstlichen Siedlungsrand der Gemeinde Alpnach. Die in der unmittelbaren Nachbarschaft bereits existierenden Gebäude und Anlagen der Korporation (Holzheizwerk, Holzlager- und Umschlagwerk, Spältenhalle) sollten durch den neuen Forstwerkhof ergänzt werden. Der Ort wird durch einzelne, grossmassstäbliche Industrie- und Gewerbebauten, landwirtschaftliche sowie militärische Bauten geprägt. In der Mehrheit besitzen diese Bauten eine einfache, rechteckige Grundrissgeometrie mit einem ortstypischen Satteldach und einer Holzfassade. Neben den erwähnten Bauten wird der Baubereich im Besonderen durch das im Norden angrenzende Mischwaldstück räumlich wie atmosphärisch geprägt.

Der Neubau wurde als liegender, hölzerner und zweigeschossiger Baukörper mit einem weit auskragenden Satteldach parallel zur Chilcherlistrasse platziert. Dieser erinnert in seiner Kubatur und architektonischen Sprache, sowie der Nutzung an ein ortstypisches Landwirtschafts- und Ökonomiegebäude. Durch dessen Präsenz in seiner Längsausdehnung wird eine neue und deutliche Adresse für den Forstwerkhof ausgebildet. Der Zugang zum Forstwerkareal erfolgt über zwei Ein-/Ausfahrten von der Chilcherlistrasse aus. Das Areal wird als eine orthogonale Asphaltebene, auf dem alle Nutzungen (Parkierung, Erschliessung, etc.) stattfinden, innerhalb des Waldareals ausgebildet. Entlang der Südostfassade sind der Eingang der Besucher sowie sämtliche Zufahrten in den Forstwerkhof platziert und durch das Vordach geschützt. Entlang der rückwärtigen Nordwestfassade befinden sich ebenfalls durch das Vordach überdeckt der Waschplatz, der Unterstand und die Tankstelle.

Mitarbeiter können über den separaten Mitarbeitereingang zum zentralen Infobereich gelangen. Die Fahrzeug- und die Maschinenhalle sowie der Schlechtwetterraum sind überhoch ausgebildet und sind mit Sektionaltoren direkt von Aussen erschlossen. Im hinteren, eingeschossigen Teil dieser Halle sind sämtliche Lagerräume und ein Bereich für den Maschinenunterhalt untergebracht. Von hier aus führen zwei interne Treppen ins erste Obergeschoss, wo sich das Materiallager befindet. Besucher gelangen vom Haupteingang in einen zweigeschossigen Erschliessungsraum von dem eine grosszügige Treppe in das erste Obergeschoss führt. Von hier gelangt man zur Empfangstheke und zu den Büro- und Sitzungszimmern. Zwischen den einzelnen Büros erlauben Türen und grossflächige Fensterflächen visuelle und räumliche Verbindungen untereinander.

Die Architektur, wie auch die Materialisierung des Forstwerkhofes sind bewusst schlicht gehalten. Die Grundidee von einer Halle, die verschiedene Nutzungen aufnehmen und sich den zukünftigen Bedürfnissen anpassen kann, wird durch eine klare Struktur von vorfabrizierten Betonstützen, welche die Holzfachwerkbinder tragen in der Fassade sichtbar. Zwischen den Stützen sind geschuppte „Ausfachungen“ eingefügt, die je nach Nutzung dahinter differieren. (Fenster, Sektionaltore, Wandflächen) Durch die Reduktion auf wenige Materialien (Betonstützen, Holzfassade, Wellblechdach) erscheint der neue Werkhof vornehm zurückhaltend. Es sind mit geringstmöglichen Energie-, Arbeitsund Kostenaufwand, Holzprodukte im gesamten Gebäude zum Einsatz gekommen.

Eine Fachwerkkonstruktion aus Brettschichtholz, die den gesamten Grundriss stützenfrei überspannt, bildet das Primärtragsystem des Werkhofs. Die Fachwerkbinder sind in einem Raster von 4.30 m angeordnet und im gesamten Werkhof identisch damit das Gebäude für spätere Veränderungen und Erweiterungen geeignet ist. Die im gleichen Raster, wie die Fachwerkbinder, erstellten Betonstützen in den Aussenwänden bilden die Auflager der Binder und stellen eine wirtschaftliche Lösung der Lastabtragung dar. Sie sind in Längsrichtung der Halle eingespannt und übernehmen so die Aussteifung. In Querrichtung stehen beide Giebelwände zur Abtragung der Horizontallasten zur Verfügung. Windverbände in der Dachfläche leiten die Stabilisierungslasten in die Aussenwände ab. Rundhölzer mit einem Durchmesser von 230 mm bilden das Sekundärtragwerk des Dachs. Die Ausfachung in den Aussenwänden zwischen den Betonstützen wird durch eine einfache Holzständerkonstruktion gebildet. Eine OSB-Platte als innere Bekleidung stellt eine für einen Forstwerkhof zweckmässige Beplankung dar. Die äussere Fassadeverkleidung besteht aus horizontalen Fassadenplatten. Im Büroteil besteht die Decke aus sägerohen Rundhölzern, OSB-Platte und Betonüberzug, welcher final geschliffen wird. Zudem kamen beidseitig beplankte Ständerwände in Holzbauweise als Innenwände zum Einsatz.

Eine abgestimmte Optimierung auf den Ebenen Energie, Baustoffe, Nutzerfreundlichkeit, Erscheinungsbild und Lebenszykluskosten war das erklärte Ziel dieses Projektes. Bei der Konstruktion wurde auf eine weitgehende Systemtrennung geachtet, so dass Bauteile entsprechend ihrer Lebensdauer einfach ersetzt werden können. Durch die gewählte Tragkonstruktion ist es möglich, zukünftige räumliche Änderungen und eine allfällige Erweiterung der Halle problemlos zu realisieren. Zudem sind Aussen wie Innen robuste Materialien eingesetzt, welche über eine längere Nutzungsdauer beständig sind und gut altern. Durch serielle und kompakte Fassadenelemente sind günstige Energiekosten zu erwarten.


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